Rudi
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Begleithundeprüfung – Rudi und das Abitur

Begleithundeprüfung Begleithundepass

Werte Teckel und Bedienstete, die Vasallen brauchen bekanntlich mehr als ein Jahrzehnt, um sich zum Abitur zu fuschen. Wir Dackel schaffen das natürlich in ein paar Wochen (und ganz ohne fuschen). Ich kann voll Stolz vermelden: Heute habe ich in Köln meine Begleithundeprüfung abgelegt.

Abitur, Reifeprüfung, Begleithundeprüfung. Wie Ihr es auch nennen wollt, es ist vollbracht. Trotz einer nervösen Zofe am anderen Ende der Leine haben Leistung, Effizienz und hartes Training triumphiert. Das gute Aussehen war heute mal eher Nebensache.

Um Punkt sechs Uhr hat sich das Personal aus den Decken geschält (der Butler musste zu Hause bleiben und alles für die Abi-Party später vorbereiten) und das Tagwerk begonnen. Wir Leistungssportler wissen: Ohne ein nahrhaftes, aber leichtes Frühstück geht nichts. Obwohl ich Schmalhans als Küchenmeister eigentlich nicht schätze, konnte ich heute über die kleine Portion hinwegsehen.

Dann ging es zum WarmUp an den Decksteiner Weiher. Gelenke ölen, Muskeln aufwärmen, letztes Mentaltraining – und ja: Die Nerven der Crew beruhigen. Zugegeben, es war etwas fies, dass ich gestern bei der Generalprobe so getan habe, als hätte ich alles vergessen (ich hatte schon Angst, Botox ordern zu müssen, um die Sorgenfalten aus der Stirn der Zofe zu bügeln).

Dann ab auf den Platz. Die anderen Teckel nebst Coaches und Personal waren auch schon da. Also los!

Was wird bei der BHP eigentlich geprüft?

Die BHP ist sowas wie antiker Fünfkampf: Dinge, die man nicht wirklich braucht, die irgendwer aber mal irgendwann festgelegt hat. Also genau wie in der Menschenschule.
Zunächst geht es darum, „Führigkeit“ zu beweisen. Ich muss also so tun, als ob ich Spaß daran hätte, an einer Leine neben der Zofe herzulaufen und ein paar Hindernisse zu meistern. Dann weiter, während Menschen versuchen, mich abzulenken. Kinderspiel: Das mache ich ja jeden Tag auf der Gassirunde, wenn die Bälger mit ihren Tretrollern mal wieder im Weg sind. Und den Hindernislauf üben wir abends im Brauhaus, wenn es um die Tische geht.

Dann kommt das „Ablegen“, eine wahre Herkulesaufgabe – für die anderen. Es geht darum, sich „auf Kommando“ (muaaaahhh! Ich? Kommandos?) irgendwo hinzulegen. Das Personal entfernt sich dann ehrerbietend und verharrt in demütiger Entfernung, während wir Hunde ruhen. Wozu das gut ist? Kein Ahnung. Vermutlich stammt das noch aus der Zeit, als wir Hunde noch vor der Metzgerei stehengelassen wurden, während der Koch uns die Wurst gekauft hat. Total aus der Zeit gefallen – wer lässt denn uns hohe Herrschaften heute noch warten?

Frauen, die auf Rohre schlagen

Als nächstes kommt die Prüfung „Verhalten bei Geräuschen“. Dabei dengelt jemand auf ein Eisenrohr (bitte genau 90 mm x 4 mm x 300 mm – ist so festgelegt) und macht Krach. Wer dann Schiss hat, fliegt raus. Meine Sache ist das nicht: Wenn ich irgendwo auf der Straße einem gestörten Typen begegnet, der auf ein Metallrohr drischt, suche ich das Weite. Der kann ja nicht ganz dicht sein.
Aber machen wir gute Miene zum Spiel. Und natürlich: Auch hier habe ich brilliert.

Für urbane Teckel unverkennbar ein sinnvoller Teil der Begleithundeprüfung ist das „Verhalten im Straßenverkehr“. Da die Menschen das ja schon nicht beherrschen, müssen wenigstens die Hunde einen kühlen Kopf bewahren. Wenn ich mit dem faulen Pack unterwegs bin, ist es schon wichtig ein Auge auf die unzähligen Mofas (neudeutsch: E-Bikes), Lastenfahrräder (neudeutsch: LINK) sowie auf Kevin und Jaqueline auf ihrem Elektroroller zu halten.
Naja, ganz Oldschool geht es bei der Begleithundeprüfung natürlich um Fahrräder, Regenschirme und Tageszeitungen.

Etwas wirr – aber natürlich bestanden – ist die Prüfung zum „Verhalten gegenüber Menschen“. Hier wäre ja eigentlich zu erwarten, dass unsere Leadership Skills bewertet werden und sollte eigentlich „Verhalten gegenüber Personal“ heißen.
Es geht aber in Wirklichkeit um eine Art Ringelpiez: Sechs Bedienstete laufen sternförmig auf uns zu (also so, als ob aus allen Richtungen gleichzeitig Leckerlis serviert würden), laufen an uns vorbei (ohne Leckerlis zu geben – wie nutzlos) und dann das ganze nochmal mit Händeklatschen. Etwa so muss bajuwarischer Volkstanz aussehen.

Begleithundeprüfung? Bestanden!

Was soll ich sagen: Das harte Training hat sich ausgezahlt und alle Prüfungen sind bestanden. Mit Bravour bestanden, würde ich ganz selbstkritisch sagen. Und ein Lob muss ich vielleicht auch mal aussprechen: Die Zofe hat wider Erwarten und trotz aller Nervosität ihre Sache auch recht gut gemacht. „Stets bemüht“ heißt das, glaube ich. Ich bin halt ein Teamplayer und bügle die Fehler am schwachen Ende der Leine mit aus. Ehrensache.
Auf jeden Fall habe ich jetzt einen tollen, bunten Stempel in meiner Ahnentafel und bin meinem Ziel der weitläufigen Vermehrung ein Stück näher gekommen. „Wer poppe will muss fründlich sin“ reicht ja heute nicht mehr: Die Damen wünschen sich auch geistreiche Zerstreuung – und das ist jetzt per Siegel und cum laude* bewiesen.

*ich hatte erwähnt, dass ich einen großen Pokal einheimsen durfte? Zofe und Butler sind soooo stolz. Ihr glaubt es nicht. Aber jetzt muss ich auf die Abi-Party – mich ordentlich feiern lassen. Ciao!!!

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