Rudi
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Salty Old Seadog – Rudi Unter Seglern (Part 2)

Werte Teckel und Bedienstete, noch ein letztes Mal in diesem Jahr hab ich mich mit meiner langbeinigen Crew von Leichtmatrosen aufs Wasser gewagt. Wie ich immer sage: Das Abenteuer ist das Salz in der Suppe der täglichen Mühsal und Plage.

Weit haben wir uns rausgetraut auf das große, gefährliche Meer. Wellerman? Kindergarten! Kolumbus? Anfänger! Oder hätte man je gehört, dass sich einer der sogenannten „großen Seefahrer“ mitten auf das Ijsselmeer getraut hätte? Viel zu feige wäre das Gesindel, sich all den Gefahren zu stellen, die dort lauern. Ich will gar nicht von den Windmühlen anfangen, die einem mit ihren Rotoren den Mast (oder die wehenden Dackelohren) kupieren. Oder die Aale, die sich zu tausenden unter dem Kiel versammeln und nur darauf lauern, dass eine unvorsichtige Pfote dem schwarzen Nass zu nahe kommt! Sogar die Algen haben sich gegen die Seefahrer verschworen. Wie Medusen-Haar schlängt sich die grüne Pest um Schraube und Ruder und zerren den unvorsichtigen Steuermann auf die nächste Sandbank.
Ihr meint, ich übertreibe? Na gut. Ein wenig vielleicht. Aber die Fliegen sind echt fies.

Wie dem auch immer sei – ob mit mystischen Gefahren oder ohne – los gings wie immer in Makkum: Strahlender Sonnenschein und eine konzentrierte Crew schippern mich aus aus dem Hafen und rauf aufs weite Wasser, während ich mit der notwendigen Gelassenheit einer geborenen Führungskraft auf meiner Bettstatt im Vorschiff ruhe. Ein schönes, neues Körbchen habe ich hier. Mit allem Pipapo – und gut verankert, falls das Schiffchen sich im Sturm mal auf die Seite legt (Krängung nennen wir Seefahrer das).

Um ganz ehrlich und aufrichtig mit Euch zu sein: Ich habs ja lieber ruhig auf dem Wasser. All‘ dieses Gepfeife und Geklapper, wenn mal wieder ein Sturm meint, meine heilige Ruhe stören zu müssen… Völlig sinnfrei. Auch dieses ewige Geschwanke und Gewackele auf dem Wasser. Braucht kein Hund. Drei Windstärken, Sonne und ein leichter Kauknochen reichen doch völlig aus.

Erster Stopp war Workum. Man könnte jetzt sagen: „Workum? Das ist doch direkt um die Ecke“. Könnte man. Muss man aber nicht. Oder mit anderen Worten: Wer das auf den Lippen führt, bitte Klappe halten!
Vor der Schleuse werfen wir den Anker den Festmacher und ich erlaube der Crew einen kurzen Landgang zum örtlichen Krämer. Schnapps und Bier wollen sie sicher holen, um ihre Freiwache zu begießen. Ich bin mir sicher! Aber die Zweibeiner wissen es halt nicht besser.
Bevor die Crew sich ihrem liederlichen Treiben hingibt, geht es erst noch zur Jagd auf die angrenzende Hasenwiese. Ich bin kein Untier: Natürlich fange ich keinen dieser pelzigen Leckerbissen. Aber ich bin schon beeindruckt, wie frech die Biester hier sind: Bis auf gut zwei Meter lassen sie den Predator (also mich) an sich heran, bis sie die panische Flucht ergreifen. Um es mit Mr. Spock zu sagen: Faszinierend.

Am nächsten Tag steht der große Schlag über das Ijsselmeer nach Den Oever an. Das ist sozusagen, also ob man von Europa nach Amerika segelt: Einmal quer rüber, über den Teich.

Noch zehn Meilen bis zum Ziel: Über uns brauen sich die schwarzen Wolken zusammen und die Augenbrauen der Deckshands ziehen sich immer weiter zusammen. Ist es Furcht? Mangelndes Botox? Der Kater vom Vortag?
Aber ganz im Stile eines John Maynard befehle ich, durchzuhalten. Ijsselmeer statt Erie See. Fat Mermaid statt Schwalbe (gut, Feuer gabs gottlob auch nicht). Aufgeben kommt nicht in Frage: Es wäre schade ums Dinner.
Um nicht zu dramatisch zu werden: Wir sind trocken geblieben und der Sturm hat respektvoll vor uns abgedreht.

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen des Landgangs und der Erforschung fremder Kulturen. Es geht auf eine lange Entdeckungstour in den Robbenoordbos (LINK). Der Dschungel liegt in der Nähe des kleinen Piratennestes Den Oever, in dem wir festgemacht haben. Ich will studieren, welche Leckereien sich im Wald verbergen und so einen weiteren, wertvollen Beitrag zur Mehrung des Wissens leisten. An dieser Stelle muss der Spannungsbogen kurz reißen: War nix mit Leckereien. Keine Hirsche, keine Hasen. Noch nicht einmal eine kleine Wildgans durfte ich jagen.

Mit leeren Pfoten galt es also, den Rückweg anzutreten. Lange musste ich in meiner Kabine über die Schmach nachdenken, im heimischen Dackel-Club nichts vorweisen zu können. Keine Trophäe. Nicht einmal eine mitgebrachte Wurst (die hat die Crew gefressen).
Auch wenn die Rückreise ohne Zwischenfälle verlief und sogar das launische Wetter uns hold war: Das hat an mir genagt.

Aber es geht schließlich um das Wagnis, die Gefahr, den Versuch! Genau wie bei der BHP2, einer der schwierigsten Prüfungen, denen sich ein Dackel stellen kann. Aber dazu mehr in Kürze.

Bleibt mir gewogen,

Eure Rudi!

dogs@work

2 Kommentare

  1. Heike sagt

    Klingt nach dem perfekten Hollandglückmix-Wochenende, halt nur ohne Hirsche und Hasen 😉

  2. Hallo Rudi, du bist ja ein cooler Typ. Mein Boot liegt auch in Makkum, vielleicht lerne ich dich ja mal persönlich kennen, wenn du dir in der nächsten Saison wieder den Wind um die Dackelohren wehen lässt. LG Elke

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